Tracht mit Haltung: Andreas Reinisch von HIRMER über Stil und Qualität

Drei Models in moderner Tracht von HIRMER, im Vordergrund ein Mann im dunklen Trachtenanzug

Herrentracht hat sich längst aus der Rolle einer Kleidung für besondere Anlässe gelöst. Janker, Lederhose und Trachtenanzug gehören heute zu einer Garderobe, die Tradition ebenso selbstverständlich aufnimmt wie zeitgemäße Schnitte und individuelle Kombinationen. Für die aktuelle Ausgabe von FESCH inszeniert das Münchner Männermodehaus HIRMER ausgewählte Looks in tiefen Farben, starken Silhouetten und hochwertigen Naturmaterialien. Trachtenexperte Andreas Reinisch erklärt im Interview, warum eine gute Lederhose zum Begleiter fürs Leben werden kann – und weshalb Tracht niemals wie ein Kostüm wirken sollte.

Mann in bordeauxroter Trachtenstrickjacke von Gottseidank vor einem rot-weißen Mast
Strickjacke „Eustachius“ und Oxford-Hemd „Lenz“ von Gottseidank.

Herrentracht mit neuer Leichtigkeit

Schwarz, Bordeaux und dunkles Grün geben den Ton an. Ungefütterte Janker, moderne Trachtenanzüge und reduzierte Kombinationen lassen die neue Herrentracht souverän statt inszeniert erscheinen. Auf überflüssige Dekoration kann sie verzichten: Wirkung entsteht durch Material, Passform und Details.

Die von HIRMER für FESCH zusammengestellten Looks zeigen zugleich, wie offen Tracht heute gedacht werden kann. Ein Janker funktioniert zur Lederhose ebenso wie zur modernen Stoffhose oder zu Denim. Klassische Westen treffen auf klare Hemden, feiner Loden auf markante Silhouetten. Tradition bleibt sichtbar, wird aber nicht ausgestellt.

Mehr zu Lederhose, Weste, Janker und den weiteren Entwicklungen der Saison finden Sie bei den Trachten Trends Herren 2026 in unserem großen Jahresüberblick.

Lodenjanker und Lederhose von Gottseidank und Beckert
Lodenjanker „Franz Xaver“, Weste „Konstantin“ und Oxford-Hemd „Lenz“ von Gottseidank. Lederhose „Filzmoos“ von Beckert.
Mann in dunkelblauem Trachtenanzug vor grüner Wand mit Gemälde und historischen Holzstühlen
Trachtensakko „Audorf“ und Trachtenhose „Jaron“ von Lodenfrey, kombiniert mit Oxford-Hemd „Lenz“ von Gottseidank.
Porträt von Andreas Reinisch, Trachtenexperte beim Münchner Modehaus HIRMER
„Tracht sollte niemals wie ein Kostüm wirken.“ Andreas Reinisch, Trachtenexperte beim Münchner Modehaus HIRMER.

Andreas Reinisch im Interview

Andreas Reinisch ist Trachtenexperte beim Münchner Modehaus HIRMER. Im Gespräch mit FESCH spricht er über Authentizität, langlebige Materialien und die Frage, wie Tracht zum persönlichen Stil wird.

Herr Reinisch, hat sich unser Blick auf Tracht verändert?
Ja, deutlich. Tracht wird heute nicht mehr nur als Kleidung für besondere Anlässe verstanden. Viele betrachten sie als authentischen und hochwertigen Bestandteil ihrer Garderobe. Das macht sie spannender denn je.

Was zeichnet echte Tracht aus?
Qualität, Passform und Authentizität. Das sind die drei entscheidenden Faktoren. Gute Tracht folgt keinen kurzfristigen Trends. Sie entwickelt mit der Zeit sogar ihren eigenen Charakter.

Moderner Trachtenanzug von Lodenfrey
Trachtensakko „Larry“ und Trachtenhose „Jaron“ von Lodenfrey, kombiniert mit einem Hemd von BOSS.

Eine Lederhose fürs Leben

Gerade Lederhosen gelten oft als Anschaffung fürs Leben.
Und das stimmt. Besonders hochwertige Hirschlederhosen begleiten ihren Besitzer über Jahrzehnte. Sie entwickeln Patina, erzählen Geschichten und werden nicht selten zu Erbstücken. Das ist etwas, was man in der Mode heutzutage nur noch selten findet.

Warum fasziniert Tracht auch jüngere Generationen?
Weil sie Identität vermittelt. Gleichzeitig lässt sie sich heute sehr individuell interpretieren. Man kann einen Janker mit Jeans tragen oder eine Lederhose mit einem Leinenhemd kombinieren. Diese Freiheit macht Tracht modern.

Wo zeigt sich diese Modernität besonders?
Bei den Schnitten, den Materialien und der Art des Stylings. Ungefütterte Janker, moderne Trachtenanzüge oder entspannte Kombinationen mit Denim bringen eine neue Leichtigkeit in das Thema.

Zwei Männer in Jankern und Lederhosen neben einer Skulptur aus übereinandergestellten Holzstühlen
Janker und Westen von Gottseidank, kombiniert mit Lederhosen von Meindl. Die skulpturale Inszenierung bringt Bewegung in die klassischen Trachten-Looks.

„Tracht sollte niemals wie ein Kostüm wirken.“
Andreas Reinisch, Trachtenexperte bei HIRMER

Weniger Inszenierung, mehr Qualität

In welche Richtung entwickelt sich die Tracht derzeit?
Die Looks werden ruhiger. Es gibt weniger Dekoration, weniger Inszenierung, dafür mehr Qualität. Schwarz spielt wieder eine größere Rolle, ebenso wie monochrome Kombinationen und hochwertige Naturmaterialien.

Warum werden Herkunft und Handwerk wieder wichtiger?
Viele Kunden interessieren sich wieder stärker dafür, wo Materialien herkommen und wie Kleidung gefertigt wird. Gerade bei Tracht sind Regionalität und Handwerk zentrale Bestandteile ihrer Glaubwürdigkeit.

Frau im dunklen Dirndl und Mann in Lodenjanker, Weste und Hirschlederhose vor grüner Kulisse
Dirndl „Amelie“ von Gottseidank. Lodenjanker „Korbe“ und Weste „Konstantin“ von Gottseidank mit Hirschlederhose „Kochelsee“ von Meindl.

Passform entscheidet über den Look

Kann gute Beratung beim Kauf von Tracht den Unterschied machen?
Einen entscheidenden. Denn Tracht lebt von der richtigen Passform. Eine Lederhose muss anders sitzen als eine Chino und ein Janker anders als ein Business-Sakko. Eine gute Beratung hilft dabei, einen Look zu finden, der authentisch wirkt und zur eigenen Persönlichkeit passt.

Worauf kommt es Kunden heute an?
Auf Orientierung. Die Auswahl ist größer denn je. Viele suchen hochwertige Stücke, die sie lange tragen können. Es geht weniger um Trends als um Qualität und Langlebigkeit.

Gibt es einen Klassiker, der jede Mode überdauert?
Die Hirschlederhose. Sie wird mit den Jahren schöner, entwickelt Charakter und bleibt dennoch zeitlos. Genau darin liegt für mich die besondere Stärke der Tracht.

Wie lautet Ihr persönliches Stil-Credo für die Wiesn?
Tracht sollte niemals wie ein Kostüm wirken. Sie lebt von Qualität, Handwerk und Haltung. Wer das beherzigt, ist immer gut angezogen.

Frau im Dirndl mit bronzefarbener Schürze und weißer Bluse
Dirndl „Olivia“ und Bluse „Robina“ von Amsel.
rau im bordeauxroten Dirndl Monika von Gottseidank auf einem historischen Schaukelpferd
Dirndl „Monika“ von Gottseidank – traditionsbewusst inszeniert und mit moderner Selbstverständlichkeit getragen.
Frau im dunklen Dirndl mit heller Schürze und weißer Haube zwischen historischen Holzstühlen
Dirndl „Laura“ und Bluse „Josi“ von Gottseidank.

FAQ

Was zeichnet moderne Herrentracht aus?
Moderne Herrentracht verbindet traditionelle Materialien und handwerkliche Verarbeitung mit zeitgemäßen Schnitten und reduzierten Kombinationen. Entscheidend sind Qualität, Passform und ein Stil, der zur Persönlichkeit des Trägers passt.

Wie lässt sich ein Trachtenjanker modern kombinieren?
Ein Janker kann klassisch zur Lederhose, aber auch zur Jeans, Chino oder modernen Stoffhose getragen werden. Ein schlichtes Hemd und zurückhaltende Accessoires geben dem Look eine zeitgemäße Wirkung.

Warum gilt eine Hirschlederhose als Anschaffung fürs Leben?
Hochwertiges Hirschleder ist weich, strapazierfähig und entwickelt beim Tragen eine individuelle Patina. Bei guter Pflege kann eine Hirschlederhose über Jahrzehnte getragen und sogar weitergegeben werden.

Wie muss eine Lederhose richtig sitzen?
Eine Lederhose sollte körpernah sitzen, ohne die Bewegungsfreiheit einzuschränken. Da sich echtes Leder beim Tragen noch etwas weitet und anpasst, ist eine fachkundige Beratung besonders hilfreich.

Welche Farben prägen die aktuelle Herrentracht?
Neben traditionellen Naturtönen gewinnen Schwarz, dunkles Grün und Bordeaux an Bedeutung. Besonders modern wirken ruhige, monochrome Kombinationen aus hochwertigen Naturmaterialien.

Mehr Tracht, Mode und Haltung in FESCH #8

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