Wie modern darf Tracht sein, ohne ihre Wurzeln zu verlieren? Andreas Kammermeier von Ludwig Beck spricht im Interview mit FESCH über moderne Trachtenmode, die besondere Bedeutung von Dirndl und Lederhose und darüber, warum Tracht gerade für jüngere Generationen wieder an Bedeutung gewinnt.

Tracht erlebt seit Jahren einen bemerkenswerten Wandel. Was macht für Sie den besonderen Reiz aus, dass sie heute längst nicht mehr nur zu Volksfesten getragen wird?
Der Reiz liegt in ihrem Doppelcharakter – Tracht ist gleichzeitig verwurzelt und wandelbar, traditionell und modisch. In einer globalisierten Welt bietet Tracht schnelle, sichtbare Sinnstiftung und Verortung. Gerade jüngere Menschen nutzen sie, um Tradition spielerisch anzueignen und gleichzeitig anschlussfähig an globale Trends zu bleiben. Die zeitgemäße Trachtenmode kombiniert traditionelle Elemente mit zeitgemäßen Stoffen, Farben und Schnitten. Dadurch entstehen Outfits die in allen Alltagssituationen funktionieren.
Zwischen Tradition und Zeitgeist: Wie gelingt es Ihrer Meinung nach, Tracht modern weiterzuentwickeln, ohne ihre Wurzeln zu verlieren.
Tracht war nie statisch, sondern hat sich vom ursprünglichen Arbeitsgewand bis heute stetig weiterentwickelt. Moderne Schnitte, Materialien und Farben sind deshalb durchaus möglich, solange Qualität, handwerkliche Werte, regionale Identität und die Verbindung zu den Wurzeln erhalten bleiben. Das Gelingen liegt in der Balance: Wir respektieren die handwerklichen und symbolischen Wurzeln der Tracht und passen gleichzeitig Schnitte, Materialien und Stilsprache an heutige Lebenswelten an.
Wenn Sie sich etwas für die Zukunft der Trachtenkultur wünschen dürften – was wäre das?
Tracht sollte als lebendiges Kulturgut verstanden werden, das sich mit der Zeit weiterentwickeln darf. Ihre regionalen Besonderheiten und handwerklichen Grundlagen gilt es zu bewahren und zugleich offen, nachhaltig und zeitgemäß weiterzuentwickeln, damit auch junge Menschen einen persönlichen Zugang dazu finden. So bleibt sie Ausdruck von Identität und Gemeinschaft und ein wichtiger Teil des heutigen Lebens.
Was erzählt ein gut getragenes Dirndl oder eine eingetragene Lederhose über den Menschen, der sie trägt?
Ein gut getragenes Dirndl oder eine eingetragene Lederhose zeigt, dass es sich um ein echtes Lieblingsstück handelt. Die Trägerin oder der Träger trägt die Tracht mit Freude und Stolz – und genau das darf man auch sehen. Die Tragespuren machen sie persönlich und authentisch.
Gibt es ein Trachtenstück, das Sie persönlich für zeitlos halten und das in keinem Kleiderschrank fehlen sollte?
Ich glaube, jede Frau hat genau ein Dirndl, das sie am allerliebsten trägt und das sie niemals hergeben würde. Es ist dieses eine Stück, mit dem sie sich einfach wohlfühlt – und das man im Grunde nur durch kleine Veränderungen wie eine andere Schürze oder eine angepasste Länge immer wieder neu entdeckt. Bei den Männern ist es genau dasselbe: Jeder hat seine eine Lieblingslederhose, die am meisten getragen wird und die über die Jahre immer mehr zur zweiten Haut wird. Diese beiden Stücke sind für mich die wahren Klassiker – nicht, weil sie gerade im Trend liegen, sondern weil sie persönliche Bedeutung haben und einfach immer wieder gerne getragen werden.
Dirndl und Herrentracht modern interpretiert
Neue Schnitte und moderne Kombinationen zeigen, wie vielseitig sich Tracht heute interpretieren lässt.
Trachtenmode von Ludwig Beck
Verwurzelt und modern zugleich: Ludwig Beck verbindet klassische Tracht mit einer zeitgemäßen Stilsprache.







