Dirndl-Trends 2026: Maximilian Gössl über echte Tracht, No-Gos und die Zukunft der Mode

Modernes Dirndl und Lederhose von Gössl – zeitgemäße Tracht mit hochwertigen Naturmaterialien

Maximilian Gössl, Geschäftsführer des Traditionshauses Gössl, über Dirndl-Trends 2026, echte Qualität – und warum kurze Röcke, schulterfreie Blusen und Frauen-Lederhosen mit Latz nichts mit Tracht zu tun haben

Maximilian Gössl, Geschäftsführer des Salzburger Traditionshauses Gössl, in moderner Trachtenjacke
Maximilian Gössl führt das Salzburger Traditionshaus mit klarem Blick für Qualität, Handwerk und die Zukunft der Tracht.

Seit Jahrzehnten steht Gössl für hochwertige Tracht, kompromisslose Qualität und eine klare Haltung zur Tradition. Unter der Führung von Maximilian Gössl entwickelt sich das Familienunternehmen konsequent weiter – zwischen Handwerk, Innovation und Zeitgeist. Im Interview spricht der Geschäftsführer darüber, wie Gössl Dirndl und Lederhose neu denkt, welche Trends 2026 relevant werden und warum echte Tracht weder Kostüm noch kurzlebige Mode sein darf. Herr Gössl, Tracht erlebt seit Jahren eine Renaissance – was bedeutet Tracht für Sie persönlich? Tracht ist für mich ein Lebensgefühl, kein Konsumprodukt. Sie vermittelt Wärme, Sicherheit und Zugehörigkeit. Man könnte sagen: Tracht ist ein Stück Heimat, das ich anziehen kann. Ich zeige damit, wo ich herkomme und welche Werte mir ein Anliegen sind – nämlich Respekt gegenüber der Natur und den Menschen, Demut vor dem, was uns von unseren Vorfahren weitergegeben wurde, sowie ein wertschätzender Umgang mit unserer Kultur und Tradition.

Hat sich Ihr Blick auf Tracht verändert, seit Sie Verantwortung für das Unternehmen tragen?
Nein, mein Vater hat mir ein großes Anliegen mit auf den Weg gegeben: nämlich, dass Tracht nicht verstauben darf, ins Museum wandert oder nur noch ein Kostüm für das Oktoberfest ist. Tracht muss lebendig sein und als solche sich stets weiterentwickeln. Innovation und Tradition schließen einander nicht aus, sondern befruchten sich. Leider besinnt sich der Markt immer weniger auf die erwähnten Werte. So wird diese immer modischer, schnelllebiger und weniger nachhaltig. Man denke nur an die immer weiter verbreitete Verwendung von Kunstfaser quer durch die Branche. Auf diese Weise wird die Tracht zum Abfallprodukt und entfremdet sich mehr und mehr von ihren Wurzeln. Diesem Trend gilt es zu widersprechen. Das bedeutet: Innovation ja, auch die Anlehnung an die Mode hat ihre Berechtigung. Wir dürfen aber nicht niedrige Preise gegen Nachhaltigkeit und Qualität ausspielen. Und genau hier sehe ich unseren Auftrag, eine Vorreiterrolle einzunehmen.
Tracht steht heute nicht nur für Tradition, sondern auch für Mode und Haltung.
Auch wenn sich die Rahmenbedingungen verändern, muss die Haltung zu Qualität, Wertbeständigkeit und Designs, die modern sind, aber dennoch nicht aus der Mode kommen, klar sein. Und genau hier appelliere ich auch an unsere Mitbewerber, diese Verantwortung wahrzunehmen, denn genau darauf bauen wir unseren Geschäftserfolg auf.
Wie unterscheidet sich Gössl aus Ihrer Sicht von anderen Trachtenherstellern?
Eines unserer größten Alleinstellungsmerkmale ist unsere ausgeprägte Handarbeitskompetenz, die am Markt zunehmend verloren geht. Hinzu kommt unsere eigene Entwicklungsabteilung: Wir entwerfen jedes Jahr neue Schnitte und Formen, statt lediglich bestehende Modelle in neuen Farben aufzulegen. Ein weiterer zentraler Punkt ist unsere exzellente Passform, an der unsere Modellmacher täglich feilen. Das sieht man vielleicht nicht auf Onlineshop-Bildern, aber im direkten Vergleich sehr wohl. Dazu kommt der Einsatz von Stoffen allerhöchster Qualität – fast ausschließlich aus Naturmaterialien. Wir sind zum Beispiel einer der letzten Hersteller, die Jacquards aus 100 Prozent Baumwolle verwenden. Diese Entwicklung haben wir über Jahre hinweg vorangetrieben. Letztlich müssen die Modelle natürlich auch gefallen. Gutes Design ist subjektiv. Unser Anspruch ist es, den Gössl-Stil behutsam weiterzuentwickeln – so, dass er für Jung und Alt gleichermaßen attraktiv bleibt.
Wie gelingt es Ihnen, authentisch zu bleiben und dennoch neue Zielgruppen anzusprechen?
Zum einen agieren wir heute deutlich agiler und flexibler als früher. Wenn wir sehen, dass bestimmte Modelle bei für uns interessanten Zielgruppen besonders gefragt sind, entwickeln wir diese auch außerhalb klassischer Saisonen und steuern sie gezielt in unsere Geschäfte ein. Unser eigener Retail kommt uns dabei sehr zugute.
Neue Zielgruppen erreicht man im Design oft durch Nuancen und feine Details – über Farben, Schnitte und Stofflichkeit. In der Produktion arbeiten wir mittlerweile so effizient und nutzen Synergien, dass wir wieder eine Premiumpreislage erreichen, die uns zuletzt teilweise abhandengekommen ist – ohne dabei auf Qualität zu verzichten. Das macht uns auch für jüngere und preissensiblere Kunden attraktiv, die über eine Einstiegspreislage in die Gössl-Welt finden. Auch für den Großhandel sind wir dadurch wieder interessant.
Gerade der Blick nach vorne ist spannend – besonders mit Blick auf kommende Trends.
Am Markt sehen wir deutlich, dass sich saisonale Modefarben immer stärker durchsetzen. Dieser Trend wird anhalten und sich sogar noch verstärken. Modellseitig gewinnt der Strick weiter an Bedeutung, während klassische Jacken an Relevanz verlieren. Auch das Mieder, das lange aus der Mode war, erlebt derzeit eine Renaissance.

Dirndl 2026 von Gössl mit klarer Silhouette, Jacquard-Stoff und zeitloser Rocklänge
Subtile Raffinesse: Klare Linien, edle Jacquards und eine ausgewogene Rocklänge machen das Dirndl 2026 zum Ausdruck moderner Trachtenkultur.

Welche Trends erwarten uns 2026 bei Dirndl und Tracht – in Schnitt, Farbe und Material?
Beim Dirndl wird sich die Rocklänge 80 cm klar durchsetzen. Dieser Trend ist aus Bayern nach Österreich übergeschwappt und nicht mehr aufzuhalten. Farblich bleiben gedeckte Töne – vor allem im Herbst – sehr präsent. Für Laib und Rock kommen zunehmend Jacquards bis hin zu schweren Möbelstoffen zum Einsatz. Die Dreidimensionalität der Stoffe spielt dabei eine zentrale Rolle. Beim Schnitt wird das Dirndl mit Ärmel, ohne Bluse, weiterhin stark nachgefragt sein. Gleichzeitig werden wir einige neue Schnitte präsentieren, die es so am Markt derzeit noch nicht gibt.
Werden Dirndl schlichter oder opulenter?
Schlicht in der Farbe, opulent im Detail. Ausdrucksstarke Jacquards, besondere Knöpfe und außergewöhnliche Blusen spielen eine immer größere Rolle.
Was macht für Sie ein wirklich gelungenes Dirndl-Styling aus?
Ein Dirndl muss auf die Trägerin zugeschnitten sein. Deshalb verkaufen wir unsere Dirndl nie fix mit Schürze oder Bluse – diese werden individuell kombiniert. So ist jedes Dirndl einzigartig und bleibt ein zeitlos schönes Kleidungsstück. Durch eine neue Schürze lässt sich ein Dirndl zudem jede Saison neu stylen, ohne an Frische zu verlieren.
Welche Styling-Fehler sehen Sie am häufigsten?
Ganz klar: die falsche Rocklänge und das Verhältnis zur Schürze. Der Rock sollte niemals kürzer als 70 cm sein, und die Schürze sollte immer etwa zwei Fingerbreit kürzer getragen werden.
Wie wichtig ist die Passform?
Bei uns liegt das Augenmerk ganz klar auf der perfekten Passform. Jedes Dirndl hat ein Stäbchenkorsett und ausreichend Nahtzugabe, um es optimal anzupassen. Das ist auch ein Thema der Nachhaltigkeit: Ein Dirndl mit Nahtzugabe lässt sich über Jahrzehnte an veränderte Körpermaße anpassen.
Gibt es klassische No-Gos beim Dirndl, die Sie wirklich vermeiden würden?
Ein zu kurzer Rock und schulterfreie Blusen – das sind klare No-Gos.
Thema Schuhe: Was passt – und was gar nicht?
Der Sneaker ist zwar in aller Munde, empfehlenswert ist aber ein Schuh, der ein schönes Bein macht. Man muss die eigene Figur ja nicht absichtlich in ein ungünstiges Licht rücken.
Lederhosen für Frauen werden immer sichtbarer – Trend oder neue Normalität?
Gegen lange Lederhosen für Frauen ist nichts einzuwenden. Kurze Lederhosen mit Latz sind jedoch ein klares No-Go und haben in der Tracht nichts verloren. Das sind Kostüme, die den Namen Tracht nicht verdienen.
Was unterscheidet eine gute Frauenlederhose von einer Männerhose?
Sie ist aus dünnem Leder gefertigt, meist aus Ziege oder – in höchster Qualität – aus Lamm. Auch Stretchleder wird gerne getragen. Beim Mann ist das Nonplusultra nach wie vor die sämisch gegerbte Hirschlederhose. Aber auch Ziegenleder kann sämisch gegerbt werden – Stichwort Einstiegspreislage.
Wie haben sich die Wünsche Ihrer Kundinnen und Kunden verändert?
Die Anforderungen unterliegen selbstverständlich einem stetigen Wandel. Wir sehen nach wie vor den Trend, dass Tracht weniger konfektioniert sein soll und der Tragekomfort immer wichtiger wird.
Wird Tracht heute bewusster gekauft?
Das hängt stark von der Zielgruppe ab. Die breite Masse kauft – entgegen dem Zeitgeist – unbewusster als je zuvor. Vor allem in Bezug auf Werkstoffe ist das Bewusstsein noch nicht ausreichend vorhanden. Das ist allerdings ein generelles Problem der Modebranche.
Was wünschen Sie sich für die Trachtenmode der nächsten Jahre?
Ich wünsche mir, dass Kundinnen und Kunden genauer hinschauen, was wir tun. Dass ein starkes Bewusstsein für Langlebigkeit und Nachhaltigkeit entsteht – weg von der Wegwerfgesellschaft, hin zu bleibenden Werten. Qualität sollte wieder stärker in den Fokus rücken. Das würde der gesamten Branche guttun und den Stellenwert der Tracht nachhaltig aufwerten.

Tracht als Statement: Zeitlose Schnitte, präzise Handwerkskunst und ein feines Gespür für Proportionen prägen die Handschrift von Gössl.
Tracht als Statement: Zeitlose Schnitte, präzise Handwerkskunst und ein feines Gespür für Proportionen prägen die Handschrift von Gössl.

5 Dinge, die man über Gössl wissen sollte

1. Traditionshaus aus Salzburg
Gössl ist ein familiengeführtes Unternehmen aus Salzburg und zählt zu den bekanntesten Marken für hochwertige Trachtenmode im deutschsprachigen Raum.

2. Fokus auf echte Tracht statt Trends
Die Marke steht für Dirndl und Tracht mit Haltung – fernab von kurzlebiger Mode, Kostümästhetik und synthetischen Materialien.

3. Hochwertige Naturstoffe
Gössl setzt konsequent auf Qualität, etwa auf Jacquards aus 100 % Baumwolle und feinste Naturmaterialien für Dirndl und Lederhosen.

4. Eigene Entwicklung & perfekte Passform
Alle Modelle entstehen im eigenen Haus – mit besonderem Fokus auf Schnittführung, Passform und langlebiges Design.

5. Moderne Tracht mit Zukunft
Unter Maximilian Gössl wird Tracht neu gedacht: nachhaltig, zeitgemäß und als bewusste Alternative zur Fast Fashion – besonders mit Blick auf Dirndl-Trends 2026.